Julia Benz

Journal

16/01/12


Aus dem Leben daneben, Feature, Inspiration


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Bastian Brandner – Kreativität bedeutet Ruhelosigkeit

Bastian ist Fotograf. Wir lernten uns vor zehn Jahren auf einer Segelfreizeit für Jugendliche kennen.
Uns verbindet nicht nur eine Freundschaft und die Liebe zum Segeln, sondern auch der Drang, etwas zu erschaffen. Bei ihm ist es die Fotografie, bei mir die Malerei.
Ich möchte, dass ihr ihn besser kennen lernt und habe ihm ein paar Fragen gestellt.




Selbstporträt (B.B.)

Beschreibe dich mit 3 Adjektiven.

“groß – klar – vielseitig”

Wo kommst du her und womit beschäftigst du dich zur Zeit?

“Zur Zeit lebe ich in Trier, Rheinland-Pfalz, studiere Philosophie und bin von Abstrakter Kunst und Minimalismus magisch angezogen.”

Abstrakte Kunst?

“Das Blau von Eve Klein, die Serie Zycles von Thomas Ruff, oder aber auch die Landschaftsaufnahmen von Michael Weseley üben gerade eine starke, noch unbeschreibliche Faszination auf mich aus.”

Warum fotografierst du und seit wann?

“Ich fotografiere um mich fernab von Sprache und Gesten zu artikulieren. Das Spiel Dreidimensionalität auf flaches Papier abzubilden reizt mich dabei ungemein. Das erste Mal nahm ich vermutlich mit 10 Jahren eine Kamera in die Hand, es folgten viele belichtete Filme, Praktika in Werbestudios, die Ausbildung zum Werbefotografen und die ersten Ausstellungen.”

Was fotografierst du?

“Ich habe mich thematisch noch nicht eindeutig festgelegt. Das kann zum einen eine Inszenierung in einem Raum sein, zum anderen aber auch vermeintliche Banalitäten in unserem Alltag. Im Prinzip das, was starke Emotionen in mir auslöst, sodass ich es nicht sprachlich ausdrücken kann.”

Erzähl mir was zu deiner Arbeitsserie “El Cabanyal“!



El Cabanyal I (B.B.)

“Ich las schon in einigen Artikeln über dieses Stadtviertel in Valencia und beschloss selbst dort hinzufahren.
Vor zehn Jahren entschied die Regierung in Valencia eine vierspurige Alle, die Blasco Ibanez bis zum Meer verlängern und angrenzend daran Mehrfamilienhäuser zu bauen.
Dabei läuft nun der zukünftige Baugrund genau durch El Cabanyal hindurch. Alle erkauften Immobilien werden hierzu abgerissen. Der Baugrund mit einer Mauer umgeben, welche dann dreifarbig gestrichen wird. So ergibt sich innerhalb des Viertels ein architektonischer Flickenteppich bestehend aus Abriss, Verwahrlosung und ehemaliger Schönheit.”

Fotografierst du digital oder analog?

“Kleinbildfilm, analoges und digitales Mittelformat, Polaroids, digitale Spiegelreflex…je nach Zweck und vor allem Lust.”

Was bedeutet Trier für dich?

“Immer eine Gratwanderung zwischen Heimat und Gefängnis. Wenn der verregnete Winter da ist, eher letzteres. Auf der anderen Seite eine Stadt, die es einem leicht macht Kontakte zu knüpfen.”

Reist du viel?

“Ich bin keiner, der jeden freien Tag die Stadt verlässt. Doch irgendwann im Jahr kommt immer ein Zeitpunkt, bei dem mich das unstillbare Fernweh packt. Zuletzt war es Valencia um eine Reportage zu verwirklichen und im schönen Meer zu baden.”

Was sind deine Lieblingsorte?

“Fremde Küchen, frischgemachte Betten, dort wo der Wind weht und Wolken aufziehen.”

Was macht ein gutes Foto aus?

“Wenn es in den ersten Sekunden Emotionen hervorruft. Für mich ist die Liniengestaltung immer sehr wichtig, sowie ein Mindestmaß an Abstraktion. Ist der Inhalt zu vertraut, bin ich gelangweilt.”

Was bedeutet für dich Kreativität?

“Ruhelosigkeit in sich zu tragen, ständig den Drang zu verspüren etwas zu erschaffen.”

Was inspiriert dich?

“Andere Fotografen, Bildbände, Malerei, Musik, die Zufriedenheit nach dem Sex.”

Wie stellst du dir dein zukünftiges Leben als Fotograf vor? Irgendwelche konkreten und ferne Ziele, Träume, Sehnsüchte?

“Konkrete Ziele sind weitere Ausstellungen zu machen und meine Arbeiten in Magazinen zu veröffentlichen. Ein eigenes Studio in dem ich mich austoben kann wäre das Ding schlechthin.
Die Sehnsucht Prints mit Kantenlänge ab 2,50m von mir an einer weißen Wand zu sehen ist riesengroß!”

In welchen Magazinen würdest du gerne deine Fotos präsentieren?

“Online: Plateform Magazine. Print: dienacht.”

Wer ist dein Lieblingsfotograf?

“Im absoluten Sinne gibt es den für mich nicht. Im Augenblick ist das für mich Magdalena Wosinska: für mich ist das die weibliche Ausgabe von Terry Richardson.”

Wie denkst du heute über deine ersten Fotografien?

“Gut, dass ich eine große Kommode habe in der man die lagern kann und nicht ständig vor Augen hat.”




Mein Schreibtisch (B.B.)




Mütze (B.B.)




Filme (B.B.)